Erste Schulpatenschaft besiegelt

Wirges. Eine Chance für die Jugend: Die Theodor-Heuss-Realschule plus und die Firma Koch Bedachungen aus Wirges wollen in Zukunft eng zusammenarbeiten, um die Ausbildungsreife und Berufsorientierung der 340 Realschüler zu fördern und gemeinsam den drohenden Fachkräftemangel zu bekämpfen. Der Direktor der Realschule plus, Gottfried Weckwert, und der Geschäftsführer der Wirgeser Koch-Gruppe, Klaus Koch, haben diese Kooperation gestern mit einem Patenschaftsvertrag offiziell besiegelt und damit die erste Schulpatenschaft dieser Art im Kreis ins Leben gerufen.

„Ich freue mich, mit dieser Vereinbarung ein für den Westerwald bislang einmaliges Ereignis zu feiern“, sagte Weckwert vor Vertretern von Industrie- und Handelskammer (IHK), Kommunalpolitik, der Agentur für Arbeit sowie vor dem versammelten Lehrekollegium, vor Eltern- und Schülervertretern sowie der gesamten Koch-Geschäftsführung. „Früher bekamen nicht alle Schüler von Abschlussklassen einen Ausbildungsplatz. Viele Abgänger hatten keine Chance auf dem Arbeitsmarkt“, unterstrich der Schulleiter. Mit der Patenschaft werde der Schwerpunkt der Berufsorientierung an der Theodor-Heuss-Schule, die seit Jahren gezielt mit Berufseinstiegsbegleitern und einer frühzeitigen Information über Ausbildungsberufe arbeitet, sinnvoll verstärkt.

„Wir gründen heute eine gleichberechtigte Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren werden“, betonte auch Koch-Chef Klaus Koch. Angesichts rückläufiger Schülerzahlen infolge der demografischen Entwicklung, drohenden Fachkräftemangels und vielfach problematischer Übergänge in den Beruf seien Schulen und Unternehmen mehr denn je gefordert, eng zusammenzuarbeiten, mahnte Koch. Der Unternehmer appellierte an Westerwälder Handwerksbetriebe und Unternehmen, dem Beispiel zu folgen und weitere Schulpatenschaften zu gründen. „Nur so können Ausbildungsreife und Qualifikation junger Menschen verbessert werden“, sagte Koch.

Marie Konrad von der IHK Koblenz, die das Projekt betreut, hofft ebenfalls, dass die kreisweit erste Patenschaft Leuchtturmcharakter für die Region entwickelt. „Schüler können herausfinden, welcher Beruf den eigenen Neigungen entspricht, während Firmen potenzielle Nachwuchskräfte sichten können“, unterstrich Konrad die Vorteile. Im IHK-Bezirk Koblenz, so Konrad, bestehen 130 solcher Schulpatenschaften, darunter allein 70 im Kreis Altenkirchen, der hier eine Vorreiterrolle übernommen hat.

Und so hofft auch Klaus Koch, dem Fachkräftemangel im eigenen Unternehmen entgegenwirken zu können. „Wir suchen händeringend Dachdeckermeister, Gesellen und Metallbauer.“ Damit das nun anders wird, will Koch die verschiedenen Berufsbilder in den Klassen 7 bis 10 im Unterricht, bei der jährlichen Berufsinformationsmesse, bei Betriebsbesichtigungen, Elterngesprächen und mithilfe von Firmenpraktika vorstellen. Bis zu fünf Ausbildungsplätze stellt er allein in diesem Jahr zur Verfügung.